Fünf Jahre WANDEROPER BRANDENBURG

Ende Februar vor 5 Jahren traf sich im Kurtheater Bad Freienwalde eine Gruppe Verwegener – Menschen, die das Musiktheater lieben, die von seinem ästhetischen und emotionalen Reichtum überzeugt sind und ihn nicht verloren geben wollen.  Schließlich garantierte doch der Einigungsvertrag den Erhalt der kulturellen Substanz…

Was also tun, wenn im Land Brandenburg von ehemals 5 ganzjährig spielenden Theatern mit Schauspiel, Oper, Ballett und Orchester nur noch 1 übrig geblieben ist und plötzlich die Mehrheit der Schüler die Schule verlässt, ohne jemals eine Oper, ein Musical, ein Ballett – häufig auch kein Konzert und kein Schauspiel (nicht nur das Weihnachtsmärchen, sondern ein Stück von Schiller oder Shakespeare!) – live erlebt zu haben?!

Also haben wir die WANDEROPER gegründet, die teuerste Kunstform in der denkbar preiswertesten Variante.  Die Kosten sollten kein Vorwand sein, weder für die Geldgeber noch für die Nutzer. Vor allem aber musste es ein mobiles Ensemble sein, das ganz dicht in die Regionen des größten Bedarfs vorstieß, in Kleinstädte weit von den Ballungszentren, zuletzt bis in die Schulen selbst.  Auch die Kulturämter und die Lehrer sollten keine Ausrede mehr haben.  Und weil wir auch in der Schulzeit spielen, also wochentags vormittags, und eine Schülerkarte nicht mehr als 3,50 Euro kosten soll, ist wirklich niemand mehr ausgeschlossen!

Die Mühen des Anfangs sind vergessen – die Widerstände waren größer als erhofft aber kleiner als befürchtet – und so war am 3. November 2011 HÄNSEL UND GRETEL die Gründungspremiere der WANDEROPER BRANDENBURG.

Und was zuerst als 3-jähriges Pilotprojekt auf seinen Sinn, seine Finanzierbarkeit, seine Qualität getestet werden sollte, feiert nun schon seinen 5. Geburtstag.

9 Stücke haben wir in dieser Zeit aufgeführt und einige in wechselnden Partnerschaften: DIE ZAUBERFLÖTE und FEUERWERK als Opernwerkstatt mit arbeitslosen Sängern oder NOAHS FLUT von Britten zum Landesmusikschultreffen gemeinsam mit der Musikschule Barnim.

Und natürlich an unterschiedlichsten Orten: auf der Trabrennbahn, im Schlosshof, in Sporthallen, in Schulaulen, im ehemaligen Zuchthaus Cottbus, in Kulturhäusern, Theatern, Kurtheatern – überall dort,  wo wir Menschen fanden, die an Musiktheater interessiert waren, von Finsterwalde im Südosten bis Wittenberge im Nordwesten.

Etwa 100 Aufführungen waren es inzwischen mit ca. 25.000 Zuschauern.

Das Projekt hat Aufmerksamkeit gefunden und ist geehrt worden: durch die Wahl als Ort der Ideen, durch die  Ministerpräsidenten Platzeck und Woidke, durch die Schirmherrschaft unserer Ministerin und nicht zuletzt durch die Ehrenmitgliedschaft von Frau Kammersängerin Edith Mathis und Dr. Christoph Felsenstein. 

Unser nächstes Projekt ist DER WILDSCHÜTZ als communal project aus Anlass des 700. Geburtstags unserer Stadt Bad Freienwalde und es wird durch den Fonds Neue Länder der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Das klingt nach Erfolg und so wollen wir es auch empfinden, obwohl auch viele Erwartungen nicht erfüllt wurden: z.B. dass die Landkreise sich beteiligen an der kulturellen Bereicherung in ihren Regionen und dass sich Sponsoren finden, die ihren Namen mit dem kulturellen Reichtum ihrer Umgebung verbinden möchten.

Und auch die kurzatmige Förderung durch die Ministerien macht das Leben schwer, Planungssicherheit unmöglich und schließt Erweiterung des Spielbetriebs aus.  Wir wissen bis heute nicht, ob und wie viel Schülervorstellungen in diesem Jahr gefördert werden, also möglich sein werden.

Das wird sich aber erst ändern, wenn das Land die WANDEROPER nicht freundlich-schamhaft fördert, sondern sich offensiv dazu bekennt, wegen der weiträumig kleinstädtisch und ländlichen Struktur unseres Landes und wegen der demografischen Erwartung ganz bewusst einen Teil der kulturellen Infrastruktur auf solch eine mobile Versorgung umzustellen und sie systematisch inhaltlich und räumlich auszuweiten.

Wir glauben, dass das kommen wird – die Zeit spielt uns leider zu. 

So gehen wir mit Zuversicht in die nächsten 5 Jahre und nehmen immer wieder Ermunterung aus vielen staunenden und fröhlichen Kinderaugen.

Arnold Schrem                                                                                                   8. 2. 2016

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